Rumpelstilzchen ein Theatrestück
written by Dagmar Preusker

Rumpelstilzchen

Szene 1 - Das Zimmer des Königs

Erzähler: Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Eines Tages sagte er zu dem König

Müller: Ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.

König: (zum Müller) Bring sie morgen in meinen Schloß, da will ich sie auf die Probe stellen.

Szene 2 -Ein Zimmer mit Stroh und Spinnrad

Erzähler: Das Mädchen wurde zu ihm gebracht und in eine Kammer geführt. Die Kammer war ganz voll Stroh. Er gab ihr Rad und Haspel.

König: Jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so mußt du sterben.

Erzähler: Darauf schloß er die Kammer selbst zu, und sie blieb allein darin.

Müllerstochter: (weint) Was soll ich tun? Was soll ich tun? Ich kann nicht Stroh zu Gold spinnen. Ich habe angst!

kleines Männchen: (macht die Tür auf und trete herein ) Guten Abend, Jungfer Müllerin, warum weint Sie so sehr?

Müllerstochter: Ach, ich soll Stroh zu Gold spinnen, und verstehe das nicht.

kleines Männchen: Was gibst du mir, wenn ich dir's spinne?

Müllerstochter: Mein Halsband.

Erzähler: Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen, hat gesponnen bis zum Morgen. Da war alles Stroh versponnen, und alle Spulen waren voll Gold.
Bei Sonnenaufgang kam schon der König und als er das Gold erblickte, erstaunte er und freute sich. Aber es war nicht genug für ihm. Er ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen, die noch viel größer war, und befahl ihr, das auch in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb wäre.

Müllerstochter: (weinte) Was soll ich tun? Was soll ich tun? Ich kann nicht Stroh zu Gold spinnen. Ich habe angst!

(die Tür geht auf und das kleine Männchen kommt herein)

kleines Männchen: "Was gibst du mir, wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?"

Müllerstochter: Meinen Ring von dem Finger.

Erzähler: Das Männchen nahm den Ring, fing wieder an zu schnurren mit dem Rad und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glänzendem Gold gesponnen.
Der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick. Aber es war noch immer nicht genug für ihm. Er ließ die Müllerstochter in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen

König: Die mußt du noch in dieser Nacht verspinnen. Wenn du das machst, werde ich dich Heiraten.

Müllerstochter: (weinte) Was soll ich tun? Was soll ich tun? Ich kann nicht Stroh zu Gold spinnen. Ich habe angst!

(die Tür geht auf und das kleine Männchen kommt herein)

kleines Männchen: Was gibst du mir, wenn ich dir noch diesmal das Stroh spinne?

Müllerstochter: Ich habe nichts mehr, das ich geben könnte.

kleines Männchen: So versprich mir, wenn du Königin wirst, dein erstes Kind.

Müllerstochter: Ich kann nichts anders tun. Das verspreche ich.

Erzähler: Das Männchen spann dafür noch einmal das Stroh zu Gold.
Und als am Morgen der König kam und alles fand, wie er gewünscht hatte, so hielt er Hochzeit mit ihr, und die schöne Müllerstochter ward eine Königin.

Szene 3 - Das Zimmer der Königin

Erzähler: Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt und dachte gar nicht mehr an das Männchen: da trat es plötzlich in ihre Kammer und sprach.

(die Tür geht auf und das kleine Männchen kommt herein)

kleines Männchen: Nun gib mir, was du versprochen hast.

Müllerstochter: Nimm was du willst von dem Königreichs aber lass mir mein Kind.

kleines Männchen: Nein, etwas Lebendes ist mir lieber als alle Schätze der Welt."

Müllerstochter: (weinen) Bitte, bitte lass mir mein Kind.

kleines Männchen: Drei Tage will ich dir Zeit lassen, wenn du bis dahin meinen Namen weißt, so sollst du dein Kind behalten.

Erzähler: Die Königin dachte die ganze Nacht über alle Namen, die sie jemals gehört hatte. Sie schickte einen Boten über Land, der sollte sich erkundigen weit und breit, was es sonst noch für Namen gäbe.

(die Tür geht auf und das kleine Männchen kommt herein)

kleines Männchen: Also was ist mein Name?

Müllerstochter: Kaspar, Melchior, Balzer

kleines Männchen: So heiß' ich nicht.

Erzähler: Den zweiten Tag ließ sie in der Nachbarschaft herumfragen, wie die Leute da genannt würden

kleines Männchen: Also was ist mein Name?

Müllerstochter: Heißt du vielleicht Rippenbiest oder Hammelswade oder Schnürbein?"

kleines Männchen: So heiß' ich nicht."

Den dritten Tag kam der Bote zurück:

Bote: Neue Namen habe ich keinen einzigen finden können, aber wie ich an einen hohen Berg um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer, und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches Männchen, hüpfte auf einem Bein und schrie:

Szene 4 Im Wald

kleines Männchen: Heute backe ich, morgen braue ich Übermorgen hol' ich der Königin ihr Kind; Ach, wie gut ist, daß niemand weiß Daß ich Rumpelstilzchen heiß'!

Szene 5 - Das Zimmer der Königin

Erzähler: Da könnt ihr denken, wie die Königin froh war als sie den Namen hörte.

(die Tür geht auf und das kleine Männchen kommt herein)

kleines Männchen: Nun, Frau Königin, wie heiß' ich

Müllerstochter: Heißest du Kunz?

kleines Männchen: Nein.

Müllerstochter: Heißest du Heinz?

kleines Männchen: Nein.

Müllerstochter: Heißt du etwa Rumpelstilzchen?

kleines Männchen: Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt. (schreit steißt mit dem rechten Fuß und zieht den linken Fuß und fällt am Boden)

Erzähler: Das Männlein stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei.


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